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Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 19. Januar 2008 13:00
von BRE
Heute steht im Bremen-Teil des Weser Kuriers ein relativ grosser Artikel, welcher sich mit den Arbeitsbedingungen der Ryanair-Flugbegleiter auseinander setzt. Kurz zusammengefasst: Um bei Ryanair arbeiten zu können, muss man erst mal in Vorkasse für Ausbildung, Uniform und Flughafenausweis gehen. In der Regel wird man gerade zu Anfang nur bei einer Zeitarbeitsfirma namens Crewlink angestellt, diese zahlt dann nur für reine Flugzeit, Turnaround am Boden (trotz Kabinenreinigung) und Bereitschaftszeiten werden nicht vergütet, effektiv kommt man dabei dann wohl auf einen Stundenlohn von ca. 6€. Nur 20 Urlaubstage im Jahr, kein Krankengeld, Verbot von Pressekontakten. Deutlich besser soll es zwar für direkt bei Ryanair beschäftigte Mitarbeiter aussehen, allerdings bekommt meinen Vertrag direkt mit FR wohl erst nach frühestens 1 bis 2 Jahren bei Crewlink...

Leider bleibt da die Feststellung, dass die Iren wohl dem Ruf die "Piraten der Lüfte" zu sein nicht nur durch für Uneingeweihte undurchsichtige Gebühren (Check-In-Gebühr, Gepäck-Gebühr, Zahlgebühr, Versicherung erstmal ausgewählt) verdient, sondern auch durch die Arbeitsbedingungen. Natürlich lässt sich seitens Ryanair leicht argumentieren, dass man gut zahle und natürlich auch Krankengeld zahlt und Mitarbeiter auch streiken dürften, was wohl für direkte FR-Mitarbeiter alles auch durchaus gilt, wenn man grosse Anteile des Personals gar nicht selber beschäftigt, sondern billig von externen Dienstleistern beschäftigen lässt.

Auf jeden Fall hinterlässt das Ganze doch einen arg schalen Beigeschmack. Der Artikel findet sich im Weser Kurier übrigens auf Seite 10...

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 19. Januar 2008 14:41
von aaspere
Und hier ist der Link zur Online-Ausgabe des WK
http://www.weser-kurier.de/20080119/bta ... 8011901107&
Ihr müßt eventuell über "Bremen" und dann "Stadtnachrichten" gehen,
Ich weiß nicht wie lange der Artikel abrufbar ist, deshalb sicherheitshalber ausdrucken.
Mein Kommentar dazu kommt noch.

@BRE
darf ich Dir einen Änderungsvorschlag zu Deinem posting machen? Ich würde hinter den Titel mindestens ein Fragezeichen machen.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 10:40
von BREHL219M
aaspere hat geschrieben: @BRE
darf ich Dir einen Änderungsvorschlag zu Deinem posting machen? Ich würde hinter den Titel mindestens ein Fragezeichen machen.
@aaspere, das die Arbeitsbedingungen bei FR für die Kabine nicht gut sind ist Fakt. Daher bedarf der Titel kein zusätzliches Fragezeichen!

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 13:16
von aaspere
Hier mein angekündigter Kommentar:
Was ist los in der Redaktion des Weser Kurier? Noch vor Monaten Jubelgsänge über den Ryanair-Deal und nun, Ryanair, das Böse schlechthin und der Flughafen bekommt sein Fett auch gleich mit ab, zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen. Wenn die Redakteurin Elke Hoesmann es wenigstens als Kommentar mit ihrer persönlichen Meinung geschrieben hätte; das wäre ja noch hinnehmbar. Schließlich leben wir in einem freien Land. Aber, Berichterstattung mit so eindeutiger Tendenz und schlampiger Recherche bedarf einer Reaktion.
Die ver.di Gewerkschaftssekretärin Nina Lepper bemüht sich auch nicht gerade um ein Mindestmaß an Objektivität; verständlich, aber dennoch irreführend, weil sachlich z.T. falsch. Man muß auch wissen, daß die Flugbegleiterin (nicht Stewardess), um die es geht, gleichsam kreuzzugmäßig seit Monaten durch alle Medien der Republik tingelt und ihre Horrorstory erzählt, und wenn das alles stimmen würde, was die junge Dame erzählt, dann müße das Unternehmen Ryanair ein echtes Problem haben, Personal zu finden - hat es aber nicht. Grundsätzlich kann man die Sache von einer ethischen und einer juristischen Seite betrachten. Und je nach dem, von welcher Seite man kommentiert, gelangt man zu einem anderen Ergebnis. Juristisch ist es aber ganz einfach; das haben auch die Experten im Arbeitsministerium von Kurt Beck (SPD) festgestellt: Irisches Recht könne hier angewandt werden. Und in Irland gibt es eben z.B. keine rechtlich zwingende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das mag man kritisieren, aber es ist so.
Und Krankengeldzahlung durch Ryanair gäbe es auch nicht, schreibt Elke Hoesmann. In Deutschland, Frau Hoesmann, gibt es das auch nicht. Krankengeld wird in Deutschland von keinem Unternehmen gezahlt, sondern nur von den Krankenkassen; das ist auch unzureichende Recherche, wenn das bemängelt wird. "20 Tage Urlaub im Jahr", damit wäre mancher deutsche Arbeitslose sofort einverstanden, wenn er dann einen festen Arbeitsplatz erhielte.
"Verbot von Pressekontakten", das sollte ohnehin selbstverständlich sein für eine Mitarbeiterin, die in der Unternehmenshierarchie dort steht, wo Flugbegleiterinnen stehen. Und wenn Frau Lepper von ver.di sagt, sie habe einen solchen Arbeitsvertrag in der Luftfahrt noch nie gesehen, dann kann ich nur vermuten, daß sie überhaupt noch nicht viele Arbeitsverträge gesehen hat. Und deutsches Arbeitsrecht ist eben hier nicht anwendbar, sondern irisches. Übrigens, Frau Hoesmann, die Dame bei Ryanair heißt nicht Angelika mit Vornamen sondern Anja; auch schlampig recherchiert, und zudem noch unhöflich.
Bürgermeister Jens Böhrnsen (auch SPD), sein Zitat: "Dumpinglöhne bei Ryanair", sei mehr Zurückhaltung empfohlen. Er sollte sich erst mal um die Löhne bei seinen 100 Bediensteten kümmern, die neulich im Weser Kurier angeprangert wurden. Daß die Flugbegleiterin Erika S. froh ist, daß sie nicht mehr bei Ryanair arbeitet, mag so sein; ich vermute, Ryanair ist auch froh. Und für zukünftige Fälle empfehle ich den jungen Damen und Herren, die gerne bei Ryanair arbeiten wollen, lest Euch den Arbeitsvertrag sorgfältig durch, ehe Ihr ihn unterschreibt. Wir leben in einem freien Land, und niemand wird gezwungen bei Ryanair oder Crewlink zu arbeiten.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 18:09
von haubra
aaspere hat geschrieben:Hier mein angekündigter Kommentar:
Was ist los in der Redaktion des Weser Kurier? ....
Nunja, nachdem die IG Druck und Papier, sowie die IG Medien in ver.di aufgegangen sind, ist dies auch die Gewerkschaft für die Mitarbeiter der BTAG.
Auch im Hause BTAG geht das Gespenst der Auslagerung von Arbeitsplätzen in "Billiglohngesellschaften" um. Da reagiert man eben ein wenig empfindlich.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 18:44
von Schlüsselkind
aaspere hat geschrieben:.
Und Krankengeldzahlung durch Ryanair gäbe es auch nicht, schreibt Elke Hoesmann. In Deutschland, Frau Hoesmann, gibt es das auch nicht. Krankengeld wird in Deutschland von keinem Unternehmen gezahlt, sondern nur von den Krankenkassen
Das stimmt so nicht. In Deutschland übernimmt der Arbeitgeber in den ersten 6 Wochen die Lohnfortzahlung zu 100%. Ab der 7. Woche zahlt dann die Krankenkasse 60% des Lohns.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 19:57
von airnie
Und wie (fast) überall gilt: Niemand wird gezwungen, unvorteilhafte Verträge zu untrerschreiben! Spätestens, wenn niemand mehr zu meinen Bedingungen arbeiten will, muß ich mir was anderes überlegen. Übrigens: Auch andere Airlines zahlen Ihren Flugbegleitern nur die Flugzeit...

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 21:12
von Oben
airnie hat geschrieben:Übrigens: Auch andere Airlines zahlen Ihren Flugbegleitern nur die Flugzeit...
Welche?

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 21. Januar 2008 21:36
von SVQ
Oben hat geschrieben:
airnie hat geschrieben:Übrigens: Auch andere Airlines zahlen Ihren Flugbegleitern nur die Flugzeit...
Welche?
fast alle airlines zahlen das erste halbe jahr nur die Flugzeit.

Vueling und CLickair (spanische LCC) zahlen ausschließlich die Flugzeit, egal wie lange FA schon beschäftigt ist.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 22. Januar 2008 11:30
von aaspere
Schlüsselkind hat geschrieben:
aaspere hat geschrieben:.
Und Krankengeldzahlung durch Ryanair gäbe es auch nicht, schreibt Elke Hoesmann. In Deutschland, Frau Hoesmann, gibt es das auch nicht. Krankengeld wird in Deutschland von keinem Unternehmen gezahlt, sondern nur von den Krankenkassen
Das stimmt so nicht. In Deutschland übernimmt der Arbeitgeber in den ersten 6 Wochen die Lohnfortzahlung zu 100%. Ab der 7. Woche zahlt dann die Krankenkasse 60% des Lohns.
@Schlüsselkind
Du bist ja noch nicht so lange bei uns und kannst es deshalb vielleicht nicht wissen. Wenn ich etwas definitiv weiß, dann bemühe ich mich immer, mich so auszudrücken, daß es a) verständlich ist, und b) keinen Interpretationsspielraum beim Leser läßt.
So auch mit meiner Aussage, daß Unternehmen in Deutschland kein Krankengeld zahlen.
Krankengeld ist ein Terminus technicus und bezeichnet die Zahlungen an einen kranken Arbeitnehmer nach Ablauf der 6-Wochen-Frist, in der der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung betreibt. Und meine Aussage stimmt dann eben doch.
Alles klar?

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 22. Januar 2008 11:54
von aaspere
haubra hat geschrieben:
aaspere hat geschrieben:Hier mein angekündigter Kommentar:
Was ist los in der Redaktion des Weser Kurier? ....
Nunja, nachdem die IG Druck und Papier, sowie die IG Medien in ver.di aufgegangen sind, ist dies auch die Gewerkschaft für die Mitarbeiter der BTAG.
Auch im Hause BTAG geht das Gespenst der Auslagerung von Arbeitsplätzen in "Billiglohngesellschaften" um. Da reagiert man eben ein wenig empfindlich.
Das könnte einiges erklären, hätte dann aber schon fast einen Verschwörungscharakter. Ich habe übrigens von der Elke Hoesmann noch nie etwas gehört oder gelesen.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 22. Januar 2008 14:04
von Tomas
Habe gestern mal nach dem Namen "gegoogelt", einige Berichte finden sich schon von ihr.
Kam mir nämlich auch so unbekannt vor.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 22. Januar 2008 14:39
von aaspere
Tomas hat geschrieben:Habe gestern mal nach dem Namen "gegoogelt", einige Berichte finden sich schon von ihr.
Kam mir nämlich auch so unbekannt vor.
Dem bin ich jetzt auch mal nachgegangen und habe festgestellt, daß sie sich fast ausschließlich um soziale Themen gekümmert hat.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 27. Januar 2008 12:02
von Linie6nachBRE
Im Weser-Kurier gibt es zu diesem Artikel ["Bloß nicht krank werden" vom 19. Januar] auch einen kurzen Leserbrief.

Hier die zwei Kernsätze dazu:
[...] Ständig auf der Suche nach dem billigsten Ticket und sich dann über Niedriglöhne der Mitarbeiter aufregen!
Kaufen Sie Flugscheine zu einem realistischen Preis, dann können die Angestellten auch anständig bezahlt werden! [...]

Autor ist - so steht es drunter - ein Flugkapitän aus dem nah angrenzenden Niedersachsen.

Re: Schlechte Arbeitsbedingungen bei Ryanair

Verfasst: 27. Januar 2008 13:44
von haubra
Als zweites Forumsmitglied ist auch aaspere heute mit seinem Leserbrief im Kurier am Sonntag vertreten. Glückwunsch - weiter so Leute :!: